Informieren Sie sich und bleiben Sie gesund! Ihr Dr. Peter Siemsen


Die nachfolgenden Hinweise beziehen sich auf die in Deutschland und der EU zugelassenen Impfstoffe Comirnaty (BNT162b2) von BioNTech/Pfizer, Covid-19 Vaccine Moderna (mRNA-1273) von Moderna und COVID-19 Vaccine AstraZeneca (AZD1222) von AstraZeneca.


Verabreichung der Impfstoffe

Die Impfstoffe werden intramuskulär in den Oberarm injiziert.
Beim Vakzin Comirnaty muss die Impfung in einem zeitlichen Abstand von 21 – 42 Tagen wiederholt werden, um eine vollständige Immunisierung zu erreichen. Eine Impfdosis (Volumen: 0,3 ml) enthält 30 µg mRNA.
Der Impfstoff Covid-19 Vaccine Moderna wird ebenfalls zweifach verabreicht im Abstand von 28 – 42 Tagen. Eine Impfdosis hat ein Volumen von 0,5 ml.
Beim Vakzin COVID-19 Vaccine AstraZeneca wird die zweite Impfung 4-12 Wochen nach der Erstimpfung durchgeführt.
Vakzine unterschiedlicher Hersteller sollten nicht kombiniert werden, da Nebenwirkungen und Wirksamkeit entsprechender Wirkstoffkombinationen derzeit nicht ausreichend untersucht wurden. Falls in den beiden Impfdurchgängen fälschlicherweise Impfpräparate unterschiedlicher Hersteller verabreicht worden sind, wird ein Impfabschluss durch erneute Gabe einer der verwendeten Vakzine aktuell nicht empfohlen.


Halt- und Handhabbarkeit der Impfstoffe

Comirnaty ist bei -60 °C (bis – 90 °C) bis zu 6 Monate haltbar. Die Lagerfähigkeit nimmt mit steigender Temperatur deutlich ab: Bei Kühlschranktemperatur (2 – 8 °C) sinkt die Haltbarkeit auf 5 Tage, bei 30 °C auf 2 Stunden. Pro Vial (Injektionsfläschchen) können nach aktueller Zulassung 5-6 Impfdosen gezogen werden. Hierzu sind spezifische Spritzen und Kanülen erforderlich (z.B. Insulinspritzen).
Covid-19 Vaccine Moderna weist deutlich höhere Temperaturstabilität auf: Im Temperaturbereich von –25 bis –15 °C ist der Impfstoff 7 Monate lagerfähig. Bei 2 bis 8 °C beträgt die Haltbarkeit 30 Tage und bis 25 °C 12 Stunden. Ein Vial enthält 10 Impfdosen, die mit gängigen Einwegspritzen und Kanülen aufgezogen werden können.
COVID-19 Vaccine AstraZeneca ist bei Kühlschranktemperatur (2 – 8 °C) mindestens 6 Monate haltbar.


Derzeitiges Mindestalter

Der Impfstoff Comirnaty ist aktuell für Personen ab 16 Jahren zugelassen.
Das empfohlende Mindestalter für die Verabreichung des Vakzins Covid-19 Vaccine Moderna beträgt 18 Jahre.
Für COVID-19 Vaccine AstraZeneca ist das empfohlende Mindestalter 18 Jahre. Eine Altersobergrenze gibt die EMA (Europäische Arzneimittelagentur) derzeit nicht an. Sie weist allerdings darauf hin, dass die Datenlage zur abschließenden Beurteilung der Wirksamkeit in der Altergruppe ≥ 65 Jahre noch nicht ausreichend ist (s. Wirksamkeit).
Aufgrund fehlender Daten empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts den Impfstoff aktuell nur für die Altersgruppe 18-64 Jahre.


Kombination mit anderen Impfungen

Alle Impfstoffe sind Totimpfstoffe. Bei dieser Impfstoffklasse ist normalerweise kein zeitlicher Abstand zu anderen Impfungen erforderlich. Aufgrund bisher fehlender Daten über mögliche Wechselwirkungen oder die Beeinflussung der Wirksamkeit, sollte ein Mindestabstand von 14 Tagen zu anderen Impfungen (wie z.B. Influenza oder Grippe) eingehalten werden.


Wirksamkeit

Comirnaty senkt das Erkrankungsrisiko um durchschnittlich 95%. Zwischen den Altersgruppen bestehen mit 96% (16-55 Jahre) und 94% (>55 Jahre) keine signifikanten Wirksamkeitsunterschiede.
Covid-19 Vaccine Moderna verringert das Erkrankungsrisiko über alle Altersgruppen um durchschnittlich 94%. Die Wirksamkeit war bei Probanden der Altersgruppe 16-55 Jahre mit 96% höher als bei Probanden der Altersgruppe über 55 Jahre (86%).
COVID-19 Vaccine AstraZeneca senkt das Erkrankungsrisiko um ca. 70 % (Altersgruppe 18-64 Jahre).

Wie gut Comirnaty schwere Krankheitsverläufe verhindert, kann auf Basis der bisherigen Untersuchungen noch nicht beurteilt werden.
Die Studie mit Covid-19 Vaccine Moderna zeigt, dass dieses Vakzin das Risiko für einen schweren Verlauf deutlich verringert.
Wie gut COVID-19 Vaccine AstraZeneca schwere Krankheitsverläufe verhindert, kann auf Basis der bisherigen Untersuchungen noch nicht beurteilt werden. Es wurde allerdings beobachtet, dass deutlich weniger Personen schwere Beschwerden aufzeigten, die einen Krankenhausaufenthalt erforderten.


Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Für die Impfstoffe wurden bisher keine Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt.


Verträglichkeit und mögliche Nebenwirkungen

Bisher liegen für die Impfstoffe keine Hinweise auf mögliche schwere Nebenwirkungen vor. Typische Impfreaktionen wie Schmerzen, Rötungen und Schwellungen im Bereich der Einstichstelle sowie Kopf-, Muskel-, Gelenkschmerzen oder auch Schüttelfrost und leichtes Fieber können bei beiden Vakzinen auftreten. Letztgenannte Symptome zeigen, dass der Körper wie beabsichtigt Abwehrstoffe bildet, was für eine spätere Immunität erforderlich ist. Die Nebenwirkungen sind in aller Regel leicht bis mittel und verschwinden nach wenigen Tagen. Bei den Impfstoffen Comirnaty und Covid-19 Vaccine Moderna wurden sehr selten Lähmungen des Gesichtsnervs (0,02%) und allergische Reaktionen beobachtet (0,1%). Ein direkter Zusammenhang mit der Verabreichung der Impfstoffe ist derzeit nicht belegt. In der Studie mit COVID-19 Vaccine AstraZeneca gab es nur vereinzelt schwerere Erkrankungen. Ein Unterschied zwischen geimpften und ungeimpften Personen war dabei nicht feststellbar.

Beim Auftreten der o.g. Impfreaktionen ist die Gabe fiebersenkender oder schmerzstillender Medikamente wie Paracetamol und nicht-steroidaler Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen möglich, wenn die medizinische Sinnhaftigkeit durch einen Arzt festgestellt wurde.

Zur Überwachung unmittelbar nach der Impfung auftretender Reaktionen werden die geimpften Personen 15 Minuten nach der Impfung durch die Impfstelle beobachtet.

Hinweis:
Im Rahmen von Zulassungsstudien ist die Identifikation von sehr seltenen Nebenwirkungen nicht vollständig möglich. Die Impfstoffe unterliegen einer zusätzlichen Überwachung durch das Paul-Ehrlich-Institut. Deren Sicherheitsberichte sind öffentlich zugänglich unter folgendem Link.


Personen mit Vorerkrankungen und geschwächtem Immunsystem

Für Personen mit Vorerkrankungen wird aufgrund des hohen Risikos für schwere Krankheitsverläufe die Impfung dringend empfohlen. Dieser Personenkreis wurde in die klinischen Studien aufgenommen und zeigte vergleichbare Sicherheits- und Wirksamkeitsprofile wie Probanden ohne Vorerkrankungen.

Zu immungeschwächten Personen (z.B. HIV-Infizierte oder Patienten, die Immunsuppressiva einnehmen) gibt es noch kein abschließenden Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe. Bei der Entscheidung sollte im Vorgespräch mit diesem Personenkreis auf die Möglichkeit einer reduzierten Immunantwort hingewiesen werden.


Allergiker

Die Impfstoffe dürfen nicht verabreicht werden, wenn schwere Allergien gegen folgende Substanzen (die als Hilfsstoffe enthalten sind) bestehen:

ALC-0315 = (4-Hydroxybutyl)azandiyl)bis (Hexan-6,1-diyl)bis(2-hexyldecanoat)
ALC-0159 = 2-[(Polyethylenglykol)-2000]-N,N-ditetradecylacetamid
2-Distearoyl-sn-glycero-3 phosphocholin
Cholesterol
Kaliumchlorid
Kaliumdihydrogenphosphat
Natriumchlorid
Dinatriumhydrogenphosphat-Dihydrat
Saccharose
Wasser für Injektionen

Falls schwere allergische Reaktionen auf einen anderen Impfstoff oder eine injizierbare Therapie bekannt sind, sollte eine Risikobewertung durchgeführt werden. Eine Impfung dieser Personen kann nach positiver Abwägung von Nutzen und Risiken trotzdem durchgeführt werden. Patienten, die im Zusammenhang mit Impfungen bereits früher schwere allergische Reaktionen, insbesondere eine Anaphylaxie (akute allergische Reaktion des Immunsystems), gezeigt haben, sollten durch die Impfstelle über einen Zeitraum von 30 Minuten nach der Impfung beobachtet werden.

Allergien, die nicht im Zusammenhang mit Impfungen oder injizierbaren Therapien stehen, stellen aus Sicht der Gesundheitsbehörden kein Ausschlusskriterium für die Impfung dar.


Schwangerschaft und Stillphase

Aktuell liegen noch keine Ergebnisse zur Sicherheit der COVID-19-Impfstoffe bei Schwangeren und stillenden Müttern vor. Entsprechende Studien sind in Arbeit.

Da es sich bei den Vakzinen um Totimpfstoffe handelt und (im Fall von Comirnaty bzw. Covid-19 Vaccine Moderna) die Impfstoff-mRNA in der Zelle schnell abgebaut wird, halten die Experten eine mögliche Gefährdung des ungeborenen oder gestillten Kindes für unwahrscheinlich. Eine Schwangerschaft oder auch Stillphase sollte im Aufklärungsgespräch dennoch in jedem Fall angesprochen werden, um festzustellen, ob die schwangere oder stillende Person zu einer Gruppe gehört, für die eine Covid-19-Impfung empfohlen wird (z.B. Pflege-Personal). Bei der Entscheidungsfindung sollte auch berücksichtigt werden, dass trotz eines geringen absoluten Risikos Schwangere nach aktuellen Erkenntnissen ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben.


Was nach der Impfung zu beachten ist

Da bisher bei beiden Impfstoffen noch nicht klar ist, ob und inwieweit sie auch die Übertragung von Corona unterbinden können und wielange der Impfschutz anhält, sollten auch geimpfte Personen die geltenden Hygiene- und Verhaltensregeln zum Infektionsschutz dringend einhalten.

Bitte beachten Sie: Die hier veröffentlichten Inhalte stammen aus den nachfolgend genannten Quellen. Sie sollen Ihnen einen kompakten Überblick zu den derzeit in Deutschland und der EU zugelassenen Impfstoffen bieten, können aber das vor einer Impfung erforderliche, medizinische Aufklärungsgespräch nicht ersetzen.

Quellen:

[33] T. Dingermann, Pharmazeutische Zeitung 2020Web-Publikation 18.12.2020FAQ zum Covid-19-Impfstoff: Praktische Fragen und Antworten rund um den Bi | PZ – Pharmazeutische Zeitung (pharmazeutische-zeitung.de)

[34] P. Meiser, DAZ.online 2021, Web-Publikation 15.01.2021, Biontech/Pfizer versus Moderna: Die zugelassenen mRNA-Impfstoffe im Vergleich (deutsche-apotheker-zeitung.de)

[35] T. Dingermann, Pharmazeutische Zeitung 2021, Web-Publikation 04.01.2021mRNA-Impfstoffe: Biontechs und Modernas Impfstoffe im Vergleich | PZ – Pharmazeutische Zeitung (pharmazeutische-zeitung.de)

[36] L.R. Baden, H.M. El Sahly, B. Essink B et al., N. Engl. J. Med. 2020, 1-14, Efficacy and Safety of the mRNA-1273 SARS-CoV-2 Vaccine. 

[37] European Medicines Agency (EMA) 2020Comirnaty.

[38] European Medicines Agency (EMA) 2021COVID-19 Vaccine Moderna.

[39] Food and Drug Administration (FDA), Vaccines and Related Biological Products Advisory Committee Meeting December 10, 2020, 2020FDA Briefing Document. Pfizer-Biontech COVID-19 Vaccine.

[40] Food and Drug Administration (FDA), Vaccines and Related Biological Products Advisory Committee Meeting December 17, 2020, 2020FDA Briefing Document. Moderna COVID-19 Vaccine.

[41] Pfizer. A Phase 1/2/3, Placebo-Controlled, Randomized, Observer-blind, Dose-finding Study to Evaluate the Safety, Tolerability, Immunogenicity, and Efficacy of Sars-Cov-2 RNA Vaccine Candidates Against Covid-19 in Healthy Individuals (Protocol Number: C4591001), 2020.

[42] Moderna, A Phase 3, Randomized, Stratified, Observer-Blind, Placebo-Controlled Study to Evaluate the Efficacy, Safety, and Immunogenicity of mRNA-1273 SARS-CoV-2 Vaccine in Adults Aged 18 Years and Older, 08.2020.

[43] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) GI, Der Impfstoff AstraZeneca (AZD1222, AstraZeneca) zur Impfung gegen Corona (gesundheitsinformation.de)

[44] Tagesschau, Web-Publikation 29.01.2021, Coronavirus: EMA gibt AstraZeneca-Vakzin frei | tagesschau.de

[45] Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 5/2021Beschluss der STIKO zur 2. Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung und die dazugehörige wissenschaftliche Begründung.